Tutorial: Panoramafotografie, Teil 1

Reiner PössnickerDas ist ein Gastbeitrag von Reiner Pössnicker
Reiner hat sich der Panoramafotografie verschrieben und bietet auf seinem Blog viele Informationen zum Thema Panoramafotografie und interaktive Panoramen an.

VORSTELLUNG
Hallo, mein Name ist Reiner Pössnicker. Ich fotografiere seit 1988, meine erste Kamera war eine Yashica FXD Quartz. Einige Jahre später bin auf Nikon umgestiegen und bin dem System bis heute treu geblieben.

2007 habe ich mit der Panoramafotografie angefangen. Als ich zum ersten Mal ein interaktives 360° x 180° Panorama im Internet sah, war ich voll begeistert und wollte das unbedingt auch machen. Über die Jahre habe ich viel gelernt und einige Erfahrungen sammeln können, die ich hier weitergeben möchte.

PANORAMA – Was ist das?
Das Wort Panorama leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet soviel viel Rundblick oder Rundsicht. Für die Panoramafotografie heißt das nichts anderes als im Kreis zu fotografieren. In der analogen Fotografie benötigt man dazu spezielle und teure Kameras, die das können. In der digitalen Fotografie ist es heute jedem möglich, mit geeigneter Software aus mehreren Einzelbildern ein Panorama zu erstellen.

PANORAMAFOTGRAFIE – Was brauche ich?
Die erste Frage sollte besser heißen: Was will ich erreichen? Für die verschiedenen Panorama-Arten, vom Flächenpanorama über das Zylinderpanorama, Kugelpanorama bis zum Giga-Pixel-Panorama, werden unterschiedliche Ansprüche an die technische und optische Ausrüstung, sowie an die Panorama-Software gestellt.

Wer nur ab und zu im Urlaub den schönen Ausblick fotografieren will, für den ist eine Kompaktkamera und die oft schon mit der Kamera kostenlos mitgelieferte Software völlig ausreichend. Oft reichen 2 bis 5  Bilder aus, um die Landschaft, die nicht auf ein einzelnes Bild passt, einzufangen.

Flächenpanorama 1

Flächenpanorama

Für Panoramen mit größerem Bildwinkel oder einer Vielzahl an Einzelbildern sind ein Stativ und eine Wasserwaage zum ausrichten schon sehr empfehlenswert. Wer mehrreihige Panoramen,  360°- oder Kugel-Panoramen anfertigen will, kommt an einer Spiegelreflexkamera mit Weitwinkelobjektiv bzw. Fisheye, einem Nodalpunktadapter zur Drehung der Kamera um die optische Achse und an einem Drehteller zum Einstellen der Winkelschritte fast nicht vorbei.

Einzelbilder für ein Kugelpanorama 1

Einzelbilder für ein Kugelpanorama

Kugelpanorama als equirectangulares Bild 1

Kugelpanorama als equirectangulares Bild

Für die Anzahl an Einzelfotos ist die Brennweite entscheidend. Mit Fisheye-Objektiven ist es z.B. möglich, aus nur drei Aufnahmen ein Kugelpanorama zu machen. Giga-Pixel-Panoramen werden mit langen Telebrennweiten gemacht, da ist der Winkelschritt relativ klein und man braucht dementsprechend viele Bilder. Aus je mehr Einzelbildern ein Panorama besteht, desto schwieriger ist es zu fotografieren und zusammenzufügen. Die Bilddateien werden größer, aber die Auflösung steigt an.

Das interaktive 360°-Panorama vom Tegelberg (Bild siehe oben) kannst du dir hier anschauen.

FOTOGRAFIEREN – Das ist Wichtig!
Egal um welche Art von Panorama es sich handelt und egal mit welcher Kamera fotografiert wird, folgende Punkte sind immer zu beachten. Sie führen zu gleichmäßiger Belichtung und Farbverteilung über das gesamte Bild und erleichtern auch das Zusammensetzen der Einzelbilder.

Hochformat: Das Fotografieren im Hochformat bietet einen entscheidenden Vorteil, man bekommt in der Vertikalen einfach mehr aufs Bild. Bei Aufnahmen im Querformat bräuchte man für den gleichen Bildwinkel zwar nur wenige Aufnahmen in der Horizontalen, aber in der Vertikalen wären dafür dann schon zwei oder drei Reihen erforderlich. Die Fotos lassen sich dann wesentlich schwerer zusammensetzen. Fotos, bei denen keine markanten Punkte vorhanden sind, wie z.B. im Himmel, können von keiner Software automatisch zusammengerechnet werden, dafür ist viel Handarbeit nötig.

Ausnahme: Querformat eignet sich in erster Linie zum Fotografieren senkrechter Panoramen, wie z.B. bei Hochhäusern, Kirchen usw.

Manuelle Belichtung: Beim Automatikmodus kann es passieren, dass die Kamera beim Schwenk für jedes Teilbild unterschiedliche Belichtungen ermittelt, was zu unsauberen Übergängen von einem Einzelfoto zum anderen im fertigen Panorama führt. Um dies zu vermeiden ist es am besten, im Motiv verschiedene Stellen anzumessen und einen Durchschnittswert zu ermitteln oder einfach Probebilder zu erstellen. Danach einfach auf Modus M stellen und die ermittelte Blende und Belichtungszeit einstellen.

Manueller Weißabgleich: Auch beim Weißabgleich verhält sich die Kamera im Automatikbetrieb wie bei der Belichtung und möchte ausgleichen. Das führt zu Bildern mit unterschiedlicher Farbtemperatur und ist ebenfalls im fertigen Panorama zu sehen. Also auch hier einen festen Wert einstellen.

Manuelle Scharfeinstellung: Steht die Kamera auf Autofokus, sucht sie sich bei jedem Bild neu die Schärfe. Bei Bildteilen in unterschiedlicher Entfernung ist dann auch die Schärfeebene verlagert. Im schlimmsten Fall kann die Panorama Software die Fotos überhaupt nicht zusammensetzen. Am besten vorher mit AF (Autofokus) eine günstige Entfernung anvisieren, scharfstellen und anschließend auf MF (manueller Fokus) umschalten.

Überlappung der Einzelfotos: Zwischen 20 bis 30 % Überlappung sind erforderlich, bei Freihandaufnahmen würde ich noch mehr empfehlen. Zu viele Bilder, kann man gar nicht machen. Sicher kostet es Speicherplatz, aber das dürfte heutzutage kein wirkliches Problem mehr sein. Die Software findet so die übereinstimmenden Punkte in den Bildern leichter und kann sie somit auch leichter zusammensetzen.

Absolutes Tabu, Polfilter: Der Polfilter, in der normalen Fotografie absolut empfehlenswert, ist bei der Panoramafotografie völlig fehl am Platz. Der Polfiltereffekt ändert sich mit dem Winkel zur Sonne, was bei der Drehung der Kamera zu unterschiedlich starken Effekten führt. Diese sind dann auch im fertigen Panorama durch Farbübergänge an den überlappenden Bereichen sichtbar.

Achtung beim Schwenk: Bei versehentlicher Verstellung der Brennweite beim Schwenken der Kamera, ist es ebenfalls unmöglich, ein gutes Panorama herzustellen.

STITCHEN – Zusammensetzen der Einzelfotos
Natürlich kann man auch mit den mitgelieferten Programmen der Kamerahersteller oder kostenlosen Programmen Panoramen erstellen. Die Ergebnisse können jedoch mit einem kommerziellen Produkt oft nicht mithalten oder die Programme sind sehr schwer zu bedienen. Ich habe einige Programme ausprobiert und bin bei der Software PTGui hängen geblieben, mit der ich von Anfang an sehr zufrieden war. PTGui ist zu einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis zu erwerben und meistert alle Aufgaben in der Panoramafotografie souverän.

So, das waren aus meiner Sicht die wichtigsten Grundlagen. Zu einem späteren Zeitpunkt – im Teil 2 – möchte ich auf die anspruchsvollere Panoramafotografie eingehen und zeigen, was es mit dem Nodalpunktadapter usw. auf sich hat.

Gruß, Reiner Pössnicker

Wenn ihr Fragen zum Artikel oder an Reiner habt, könnte ihr diese sehr gerne im Kommentarbereich stellen. Reiner wird hin und wieder rein schauen und sich um Antworten bemühen. Ich persönlich kann zu dem Thema leider nur sehr wenig beitragen, finde die Panoramafotografie dennoch sehr spannend und äußerst interessant.

Über den Autor

Inhaber und Admin dieser Website. Fotografie ist (m)eine Leidenschaft und diese möchte ich auf diesem FotoBlog mit meinen Lesern teilen. Gerne nehme ich Hinweise und Anregungen entgegen. Schreibt mich bitte über das Kontaktformular an.

Kommentare (4)

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  1. Geburtstag – 1 Jahr Qualipano sagt:

    […] kurzem habe ich meinen ersten Gastartikel über Panoramafotografie geschrieben. AufJochens Fotoblog, Fotokulisse,  kann man den Artikel über die wichtigsten Grundlagen zur Panoramafotografie lesen, natürlich […]

  2. […] mit der verfügbaren und durchaus kostenlosen Software auseinander. Mein Artikel setzt hier auf einen Beitrag in Jochens Blog […]

  3. Christian sagt:

    Sehr geiles Tutorial! Alle meine Fragen wurden beantwortet! Das Tutorial ist sehr informativ und interessant geschrieben! Klasse Sache! Ich mache schon länger Fotos und wage mich nun an Panoramen!

    Eine Frage wäre dann aber doch noch: Wie mache ich interaktive Panoramen, wie bei dir hier am Beispiel?

    Viele Grüße,

    Christian

  4. czoczo sagt:

    Jaa das PtGui ist wirklich klasse, trotzdem für Einsteiger einfach zu teuer. Eine Alternative ist inzwschen das HUGIN, eine freie Software, die sich vor der kommerziellen Software nicht verstecken muss .

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