Weniger gute Fotos durch Bildbearbeitung retten

Kennt ihr das auch? Da hat man eine tolle Location, ein nettes Model, gutes Wetter. Alle Bedingungen scheinen perfekt zu sein. Später am PC fällt dann aber bei der Bildbetrachtung auf, dass an den beim Shooting entstandenen Fotos doch einiges nicht passt. Und warum? Weil der ambitionierte Hobbyfotograf seinen Augenmerk nicht auf alles gerichtet hat, was für das Bild wichtig gewesen wäre.

Kerstin vor Graffiti, Original

Abb. 1: Das Original

Es gibt nun drei Möglichkeiten. Erstens das Shooting wiederholen, was aber nicht immer möglich ist, zweitens die Bilder löschen oder aber drittens die besten Bilder raussuchen und nachbearbeiten.

Mein Model Kerstin und ich waren im letzten Jahr an einem alten, stillgelegten Bahnhof. Die Graffitis an den Wänden inspirierten mich, sollten aber nicht zu dominant als Hintergrundmotiv wirken. So der Plan. Also ran ans Fotografieren, Model posen lassen, abdrücken, fertig.

Zu Hause bei der Bildbetrachtung bemerkte ich dann sofort, dass das Kleid leider gar nicht optimal für die Bildidee war. Es selbst hatte zu viele Anzeichen eines Graffitis, so dass die Bilder unruhig wirkten. Zudem war der Hintergrund aufgrund der bunten Farben zu dominant und lenkte noch zusätzlich vom eigentlichen Motiv ab. Mit einer weiter geöffneten Blende hätte ich vielleicht noch etwas rausholen können, da das Model dann auf den Fotos etwas mehr freigestellt gewesen wäre, aber diesen Gedanken hätte ich bei dem Shooting haben müssen. Zu spät. Nun heißt es sich Gedanken machen, was mit den Bildern geschehen soll.

Kerstin vor Graffiti, s/w

Abb. 2: Graustufen

Ich habe mich dazu entschieden, einige Bilder nachzubearbeiten. Schließlich sind es nicht einfach nur Fotos von irgendeinem Shooting, sondern auch Erinnerungen und zudem war es ja auch Arbeit (auch wenn manche Leute das nicht so sehen).

Als Beispiel dient das Bild in Abbildung 1. Kerstin geht im Gewühl der Graffitis fast unter. Die Wandmalereien lenken immer wieder den Blick des Betrachters vom eigentlichen Motiv – dem Model – ab. So habe ich das Foto zunächst einmal in Graustufen gewandelt, siehe Abbildung 2. Meines Erachtens nach wirkt das Bild dann aber noch weniger. Das war also auch keine Lösung.

Kerstin vor Graffiti, Farbe und s/w

Abb. 3: Das Ergebnis

Ich habe mich dann dazu entschieden, nur den Hintergrund des Fotos in Graustufen zu wandeln und den Vordergrund wie auf dem Original zu belassen. Mit Paint Shop Pro, meiner Bildbearbeitungsoftware, habe ich dafür mit zwei Ebenen arbeiten müssen. Als untere Rasterebene diente das farbige Original, darüber legte ich eine zweite Rasterebene mit einem vorher vom Original erzeugten Graustufenbild. Mit dem Löschwerkzeug (Radiergummi) habe ich dann die Bereiche der oberen Ebene entfernt, die nicht mehr als Graustufen zu sehen sein sollten. Durch das Löschen werden die Bereiche der unteren, hier farbigen Ebene wieder sichtbar. Den kompletten Boden samt der Pflanzen im Vordergrund, Teile der linken Säule und natürlich mein Model habe ich so heraus gearbeitet. In Abbildung 3 seht ihr das Ergebnis, welches ich zudem auch noch ein wenig ausgerichtet habe. In der Fotocommunity habe ich das Bild auch online gestellt. Über Kommentare und Kritik freue ich mich.

Diese oben beschriebene Vorgehensweise der Bearbeitung ist übrigens auch dafür geeignet, sogenannte Colorkey-Fotos zu erstellen.

Über den Autor

Inhaber und Admin dieser Website. Fotografie ist (m)eine Leidenschaft und diese möchte ich auf diesem FotoBlog mit meinen Lesern teilen. Gerne nehme ich Hinweise und Anregungen entgegen. Schreibt mich bitte über das Kontaktformular an.

Kommentare (4)

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  1. Hallo Jochen,

    Das Problem, daß Du hier mit der Bildbearbeitung gelöst hast, bezieht sich weniger auf die Struktur/Form des Kleidmusters, sondern rein auf die Farbe des Hintergrundes.
    Was ablenkt ist weniger, daß das Kleid den Graffitis ähnelt, sondern das der Hintergrund deutlich farbiger+gesättigter ist als Dein Motiv.
    Deswegen brachte alles in sw auch keine entscheidende Besserung – mit einem HG in sw hast Du das Problem nun aber gemildert. ;-)

  2. Gerne.
    Freut mich, wenn ich hilfreich war. :-)
    (auch wenn ich langsam wie ein Klugscheisser wirke…*g)

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