Fotobuch online erstellen: Vor- und Nachteile

Fotobücher lassen sich offline mit einer vom Hersteller kostenlos zur Verfügung gestellten Software erstellen. Den gestalterischen Möglichkeiten sind dabei kaum Grenzen gesetzt. Für den schnellen Klick bieten manche Hersteller aber auch an, die Fotobücher online zu erstellen. Welche Vor- und Nachteile es dabei geben kann, berichte ich hier aus jüngster Erfahrung.

Beim Erstellen meines letzten Fotobuches bemerkte ich, dass auch noch die Fotos der Städtetour Barcelona 2010 auf meiner Festplatte auf weitere Verwendung warteten. Hier im Blog habe ich euch schon mal einige Fotos von der durchaus sehenswerten Reise gezeigt.

Da wir bereits ein tolles Barcelona Fotobuch aus dem Jahr 2008 im Schrank haben, wollte ich für dieses Fotobuch keinen großen Aufwand betreiben und die Kosten niedrig halten. Da bot es sich förmlich an, einen 10 EUR Gutschein von PosterXXL aus einer Amazon-Bestellung zu nutzen. Da PosterXXL im TV für ein 9,99 EUR Fotobuch wirbt (statt 19,99 EUR Normalpreis), schaute ich mir die Sache genauer an. Feinste Buchbindequalität, 24 Seiten und Hardcover frei gestaltbar, ohne Software zu erstellen, ungefähre Größe DIN A5 (15,5 cm x 20,5 cm). Das sind die Hauptmerkmale gemäß der Beschreibung auf der Website. Nur DIN A5 Größe? Okay, wieso also nicht mal etwas Neues testen?

Wie so oft bemerkte ich beim Erstellen, dass die Seitenzahl nicht ausreichte. Die nächst mögliche Seitenzahl ist 36 zu einem Aufpreis von 5,00 EUR. Kein Problem, aber mehr wollte ich dann doch nicht haben. 96 Seiten sind übrigens das Maximum.

Gestaltung

PosterXXL Screenshot

Screenshot Online Fotobuch

Die Gestaltungsmöglichkeiten lassen zu wünschen übrig. Als Hintergrundfarbe wählt man weiß oder schwarz. Mehr geht nicht. Auch keine Hintergrundgrafiken. Die einmal getroffene Auswahl gilt für das ganze Buch. Schwarz sollte es bei meinem sein, das passt. Bei den Layouts gibt es vier vordefinierte Gruppen mit je verschiedener Anzahl an fest platzierten “Rahmen” für die einzubindenden Fotos, teilweise auch mit Textfeld. Die Größe der einzelnen Rahmen kann man nicht ändern, die Layouts sind somit fest. Es gibt nur die Möglichkeit, innerhalb des Rahmens das eingebundene Foto rein- oder rauszuzoomen und es auszurichten, falls das Format nicht passt. Für den Text stehen sechs Schriftarten in verschiedenen Farben und Größen zur Verfügung. Zudem wird noch die Funktion “Autofüllen” angeboten. Hierbei lässt sich das Fotobuch automatisch mit den von der Festplatte ausgewählten Fotos füllen. Das kann Sinn machen, muss es aber nicht. Wird beispielsweise ein im Hochformat vorliegendes Foto in ein querformatiges Layout eingebunden, scheitert diese Funktion – nicht von der Funktionalität her, denn das Foto wird gnadenlos und ohne Rückfrage in dem Rahmen platziert. Jedoch frage ich mich, wie man das Foto hierin vernünftig ausrichten soll.

PosterXXL Fotobuch

Das fertige PosterXXL Fotobuch

Der Upload des fertigen und von mir vorher mehrfach kontrollierten Fotobuches verlief ohne Probleme und ohne Fehlermeldung. Anschließend kann man sich noch entscheiden, ob man für einen Aufpreis von 10,00 EUR ein Echtfotobuch mit ausbelichteten Seiten und Panoramabindung haben möchte. Hochglanz und seidenmatt stehen dabei zur Verfügung. Ich entschied mich dagegen, wollte die günstigere Version mit Digitaldruck haben. Somit entschied ich mich auch gegen die, für über zwei Seiten platzierte Fotos besser geeignete Panoramabindung. Nach vier Tagen wurde das gedruckte Fotobuch in akzeptabler Verpackung ausgeliefert.

Kosten

Das hier online erstellte Fotobuch mit Hardcover und 36 Seiten in Digitaldruck hat mich inklusive des Gutscheins und der Bearbeitungsgebühr in Höhe von 5,99 EUR genau 10,98 EUR gekostet. Wie eingangs beschrieben, ist das ein Angebotspreis. Im Normalfall würde das Fotobuch 19,99 EUR + Seitenaufschlag von 5,00 EUR + 5,99 EUR Bearbeitungsgebühr, also in Summe 30,98 EUR kosten. Das ist, wie ich meine, nicht wenig. Zudem darf man dabei nicht vergessen, dass man in der Gestaltung sehr stark eingeschränkt ist.

Qualität

PosterXXL Fehler

Druckfehler beim schwarzen Hintergrund

Hier kann ich nur das beurteilen, was ich in Händen halte. Die Qualität an sich hängt sicherlich nicht davon ab, ob man ein Fotobuch online oder offline erstellt. Von daher ist meine Aussage in diesem Artikel speziell auf PosterXXL gerichtet. Das Hardcover ist stabil, wie auch die Bindung. Es gefällt mir nicht, dass der schwarze Hintergrund nicht auf allen innen liegenden Seiten ein sattes Ergebnis hinterlässt (siehe Foto links). Hier und da sind weiße Punkte zu sehen. Das muss nicht sein! Die Farben der Fotos wirken minimal zu flau, aber noch tolerabel. Nicht schön ist, dass die Fotos relativ pixelig erscheinen, man kann hier von einem Bildrauschen sprechen. Die Fotos liegen im Original ohne merkbares Rauschen vor. Digitaldruck kann aber auch gut aussehen, was ich bei meinen anderen Fotobücher zeigen kann.

PosterXXL Fehler Fotoseite

Fehler auf der linken Buchseite

Gar nicht gefällt mir, dass ein Foto nicht so gedruckt wurde, wie ich es online bei der Erstellung platziert hatte. Es zeigt lediglich einen Ausschnitt des Fotos (siehe Foto rechts, der Finger zeigt darauf). Die Reklamation beim Service ergab, dass wohl ein Übertragungsfehler vorgelegen haben soll. Man könne das aber nicht mehr korrigieren und hat mir als Entschädigung einen 20 EUR Gutscheincode gesendet. Auf Nachhaken von meiner Seite, wo denn dieser ominöse Übertragungsfehler stattgefunden haben soll, wies man mich darauf hin, dass man den Flash Player immer auf aktuellem Stand halten soll. Klar, dass macht er bei mir sogar automatisch! Vielleicht sollte PosterXXL auch mal prüfen, ob ihre Flash-Anwendung mit dem aktuellen Flash Player noch zu 100% kompatibel ist…

Fazit, Vor- und Nachteile eines online zu erstellenden Fotobuches

Den Vorteil bei einem online erstellten Fotobuch kann ich nur darin sehen, dass man seinen Rechner nicht mit Software zumüllen muss, die man womöglich nur einmal benötigt und zudem nicht unbedingt gut programmiert ist. Das war es dann aber schon.

Die Nachteile wiegen da schwerer:

  • die Arbeit zur Erstellung des Fotobuches muss in einem “Rutsch” erfolgen
  • das Fotobuch lässt sich nicht speichern, eine Nachbestellung ist somit schwierig oder gar nicht möglich
  • beim Erstellen kann man seine Arbeit nicht zwischenspeichern, stürzt der Rechner oder der Browser ab, beginnt man wieder von vorne
  • Fehler, die einem bei der Gestaltung selbst unterlaufen, lassen sich nach dem Absenden der Daten nicht mehr korrigieren
  • in meinem Fall war es dem Hersteller nicht möglich – wenngleich für mich unverständlich – den oben beschriebenen, nicht von mir verursachten Fehler nachträglich zu korrigieren
  • die Gestaltungsmöglichkeiten sind wesentlich minimalistischer als mit spezieller Fotobuch-Software
  • Die Fotobuch Varianten (Größe, Format, Material) sind nicht so umfangreich wie bei der speziellen Fotobuch-Software; hier nur Hardcover A5 oder A5, kein Querformat, kein quadratisches Format, kein A3, kein Softcover, kein Ledereinband, kein …, kein …, kein …

Ich habe für mich entschieden: Nie wieder ein Fotobuch online erstellen! Und welche Erfahrungen hast du gemacht?

Über den Autor

Inhaber und Admin dieser Website. Fotografie ist (m)eine Leidenschaft und diese möchte ich auf diesem FotoBlog mit meinen Lesern teilen. Gerne nehme ich Hinweise und Anregungen entgegen. Schreibt mich bitte über das Kontaktformular an.

Kommentare (8)

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  1. David sagt:

    Vielen Dank für den tollen Bericht Jochen. Ich kann deine Erfahrungen nur teilen. Habe neulich auch das Experiment Fotobuch online erstellen ausprobiert und kann die meisten deiner Nachteile bestätigen.
    Leider habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass auf Grund fehlender Zwischenspeicherung meine komplette Arbeit hinüber war. Auch sehe ich ein Hauptproblem darin, dass es häufig zu Schwierigkeiten bei Nachbestellungen kommen kann. Bin nun wieder auf die Fotobuchsoftware umgestiegen und habe mein letztes fotobuch mit myphotobook erstellt. Hat alles prima geklappt und das Ergebnis war super. Das Thema online Erstellung wird für mich zukünftig erst einmal nicht weiter in Betracht gezogen.

  2. Juergen sagt:

    gelegentlich lasse ich Fotobücher im Copyshop erstellen, die Ausdrucke mittels eines Farbkopiersystems mit PC Ansteuerung auf seidenmattem Leichtkarton sehen gar nicht mal so schlecht aus, zumal Druckdaten von 150 bzw 200 ppi vollkommen ausreichen;-)

  3. Tobias sagt:

    Hallo Jochen,

    deinen Unmut über die Online-Editoren kann ich klar nachvollziehen. Bisher schaffen es nur sehr wenige Anbieter eine gute Online Lösung bereit zu stellen. Als annehmbar, auch wenn ich die Software immer bevorzuge, empfinde ich ifolor und ikona. Bei letzterem kannst du das Projekt recht bequem speichern und bist immerhin nicht gezwungen das Buch in “einem Rutsch” zu gestalten.

    • Lisa Schmitt sagt:

      hallo in die runde,

      also eins im copyshop zu erstellen, ist umständlich und auch hinsichtlich qualität eher nicht geeignet. habe das zwar auch schon mal gemacht, aber das war dann auch richtig teuer. habe bisher erst einmal online ein fotobuch bei posterxxl erstellen lassen und hatte keine probleme mit dem editor. fand den eigentlich ganz einfach in der anwendung, qualität der bilder im buch war auch für den preis absolut o. k.

  4. Juergen sagt:

    ## also eins im copyshop zu erstellen, ist umständlich und auch hinsichtlich qualität eher nicht geeignet.

    Nö, kommt auch auf das Farblasersystem an, denn es gibt tatsächlich Maschinchen, die für den hochwertigen Digitaldruck respektive Fotodruck konzipiert sind, ohne die berüchtigten Glanzeffekte;-) ich finde es nicht umständlich, dafür habe ich mehr Freiheiten bei der Gestaltung, z.B. konnte der Dienstleister ohne Probleme Corel Draw Dateien mit eingebetteten Bitmaps im sRGB nahezu farbverbindlich ausgeben, aber korrekt, nicht jeder Copyshop Dienstleister ist bezüglich Equipment und fachlichem Know How für solche Jobs geeignet;-)

    gut, vielleicht sind Fotobücher a la Copy Art in der Masse teurer, dafür gebe ich meine Photoalben auch nur selten über solche Dienstleister in Auftrag, abgerundet durch eine ordinäre Spiralbindung mit Klarsichtfolie, ich liebe solche Banalitäten;-)

  5. Ich denke die Hersteller dieser Fotobücher, gerade für den privaten, eigenen Gebrauch sind weitestgehend in Ordnung. Ich denke dennoch, dass man diese Bücher nicht mit Premium Herstellern vergleichen darf. Ich hatte mal eine Kundin, die sich eines dieser Bücher mit unseren Fotos erstellt hat, die Fotos hatten im Buch alle einen Farbstich und waren auch zum Teil etwas schief ins Buch eingefügt worden. Der Farbstich ist scheinbar durch den Druck hervorgerufen worden, denn unsere Prints aus dem Labor waren allesamt einwandfrei.
    Ich habe mal ein Buch per Apple erstellen lassen, mit dem ich auch für kleines Geld absolut zufrieden war, für den kommerziellen Einsatz halte ich die Qualität dennoch nicht ausreichend genug.

  6. Sven sagt:

    Hallo Jochen,

    Dein Fazit, nie wieder ein Fotobuch online zu erstellen, kann ich absolut nur unterstreichen. Ich denke, die Online Erstellung ist was für Leute, die mit der Auto-Füll Funktion arbeiten wollen und somit ohnehin keine Zeit in Gestaltung investieren. Dann ist es ja auch nicht weiter wichtig, ob man ein solches Projekt speichern kann. Jeder, der viel Zeit in die Gestaltung von einem Fotobuch investiert, sollte entweder die installierbare Software nutzen oder natürlich Photoshop, wo es heute einige nette Plugins zur Fotobuch Gestaltung gibt.

  7. Carsten sagt:

    Hallo zusammen,
    ich denke, dass es noch eine Zeit dauern wird bis moderne Browser eine Applikation vollständig ersetzen zu können. Gerade bei den großen Dateigrößen ist es ein K(r)ampf die Ladezeiten zu überbrücken.
    Ich kann mir doch gut vorstellen, dass Anwendungen wie Adobe Air dort gutes leisten können.
    Ich bleibe gespannt.

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